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SETRA S110 – Bernhard Plüss

Setra Kässbohrer 1968

Posted on 24. September 2021

SETRA S110 – Bernhard Plüss

Wohnmobil 2021 Camping 2021: Setra S110 von Bernhard Plüss

Unser SETRA S 110

Wie ich zum „Busvirus“ gekommen bin, fing folgendermassen an: Im 1985 haben vier Motorradrennfahrer, die eine Schweizermeisterschaft bestritten, einen Mercedes O 303 zum Gebrauch erhalten. Dieser war mit sechs Stockbetten, Küche, WC, Dusche und im hinteren Teil mit einer gut eingerichteten Werkstatt ausgerüstet. Jedoch hatte keiner der vier einen LKW-Führerschein um den Bus zu lenken.
Ich war zu dieser Zeit Selbständigerwerbender und seit meiner Geburt vom Motorsport begeistert. Somit brauchte es nicht viel Überredungskunst, mich zum Fahren des Busses zu bewegen. Wir waren damals gezwungenermassen (die Schweiz hat keine Rundstrecke) immer im Ausland Deutschland/Frankreich/ Italien/Tschechoslowakei unterwegs.
Da ist mir im Laufe der Zeit der Gedanke gereift, selber einen Bus auszubauen, so dass ich angefangen habe Handzeichnungen des Grundrisses zu zeichnen. Als die Sache dann konkreter wurde, fiel die Wahl des Busses auf einen SETRA S 110. Dieser sollte jedoch 2.5 m breit sein, (bewusst nicht 12 Meter lang um ein Rangieren auf Campingplätzen zu ermöglichen, dies hat sich übrigens bis heute bewährt) damit ich im Innern mehr Breite zur Verfügung hatte. Die Suche dauerte ca. 1½ Jahre und etliche Hundert oder Tausend Kilometer bis ich rein zufällig 10 Kilometer von meinem Wohnort entfernt in einer Halle, schön im Trockenen, unseren Bus entdeckte. Für mich war sofort klar: diesen Bus musste ich haben! Den Besitzer kannte ich auch schon jahrelang, so dass er mir den Bus für CHF 3’000.– verkaufte. Den Bus habe ich noch am gleichen Tag, es war der 16 April 1988, mit meinen Unternehmernummern abgeholt und danach genau inspiziert. Der Besitzer versicherte mir, dass der Motor komplett revidiert wurde. Er habe jedoch leider keine Papiere dazu erhalten, weil er den Bus aus einer Konkursmasse herausgekauft hatte.

Kontakt hatte ich damals schon mit zwei Kollegen, die in einer Fahrzeugbaufirma arbeiteten. Diese haben mir alsdann beim Auf- und Umbau der Karosseriearbeiten, die rund ein Jahr dauerten, geholfen; beziehungsweise war ich nur der Handlanger. Da ich im Innern des Busses eine Stehhöhe von zwei Metern zur Verfügung haben wollte, entschied ich mich für die Variante der Dacherhöhung um 20 cm, was natürlich eine Abnahme durch das Strassenverkehrsamt (Deutschland TüV) zur Folge hatte.

Es mussten vor Beginn der Arbeiten Zeichnungen erstellt werden, die dann über die EVO Bus Schweiz nach Ulm ans Werk gesandt wurden um eine Unbedenklichkeits-Erklärung zu erhalten. In diesen Abklärungen lernte ich Herrn Bischof kennen, der damals bei EVO Bus Schweiz arbeitete und sehr zuvorkommend alle Anfragen sachlich abklärte. In einem Gespräch erwähnte er, dass sie noch über Belege einer Motorrevision verfügten, welche ich im Original ausgehändigt bekam. Und siehe da, der Motor hatte seit der Revision erst 35’000 Kilometer auf dem Buckel.
Als dann der Rohbau fertig war, begannen wir mit dem Innenausbau und gleichzeitig mit den Revisionsarbeiten der mechanischen Teile der kompletten Radaufhängung vorne und Hinterachse. Jedes Teil wurde demontiert, zerlegt, gereinigt oder sandgestrahlt und neu lackiert. Alle Lager und Gummiteile wurden ersetzt.

Der komplette Gepäckraumboden (Holz) wurde ersetzt und alle Vierkantrohre am gesamten Aufbau wurden mit Hohlraumschutz konserviert. Die Rohre, die mit dem Innenaufbau (beheizter Raum) in Kontakt waren, wurden zusätzlich mit Zweikomponentenschaum ausgeschäumt um Kondensation im Heizbetrieb zu vermeiden. Die neu verblechten und lackierten Innenseiten wurden an den grossen Flächen mit Antidröhnplatten ausgestattet um ein Vibrieren der Blechflächen zu verhindern. Damit die Innenbeplankung der Seitenwände nicht direkt mit den Vierkantrohren in Berührung kamen (um auch hier Kondensation zu vermeiden), wurde eine Profilleiste aus Holz gefräst, die seitwärts am Vierkantrohr mit Blechschrauben befestigt wurde. So konnte dann die Beplankung (12 mm Multiplex-Platten) direkt mit Holzschrauben in den Holzrost geschraubt werden.

Damit die seitlichen Rundungen im Dach möglichst mit einer genauen Abwicklung montiert werden konnten, wurde ein Schnurgerüst aufgebaut, das die Dachplatten in eine genaue vordefinierte Lage bringen sollten. Dies war wichtig, damit wir beim Verlegen des Wandteppichs keine Rumpfbildung erhielten.

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